Tiergarten Kirchrode Foto: Ilona Mohné
Tiergarten Kirchrode Foto: Ilona Mohné
Stadtteil Dichterin
Stadtteil Dichterin

Nebelspaziergang

 

Wenn Du vom Berg ins Flussbett siehst,

als milch´ges Band der Nebel fließt.

 

Auf einmal steckst Du mittendrin,

aller Weitblick ist dahin.

 

Ängstlich, vorsichtig, bedacht,

machtlos hat er Dich gemacht.

 

Deinen Fußtritt grad noch siehst,

Das Haar wird feucht, die Nase trieft.

 

Den Mantelkragen hochgeklappt,

strebst schnell zurück zur Heimesstatt.

Uhrengeläut

 

Es ist schade, tut mir leid,

Vergangenheit ist nun die Zeit,

da in der Stube tickte die Uhr,

die Standuhr läutete im Flur.

Sie alle hatten ihren Klang,

den mit Menschen ich verband.

 

Die eine wurde aus den Trümmern geholt,

ihr Gehäuse vom Phosphor verkohlt.

Sie klang noch, als man sie berührte,

mit neuem Kasten weiter existierte.

Bis zur nächsten Generation,

schlug sie an den vertrauten Ton.

 

Hat nun nicht mehr den ersten Platz,

digitale sind dafür Ersatz.

Eine andere, die mir so vertraut,
lange im Keller tief verstaut,
dort seit jenen Jahren steht,

als unsere Eltern noch gelebt.

 

Doch der Abschied musste sein.

Wir luden sie ins Auto ein,

fuhren sie zur Deponie.

Diese Fahrt vergess´ ich nie:

Beim Anfahren sie bimmelte,

an jeder Ampel wimmerte, 

 

bei jedem Ruck schrie sie fast auf:

„Ich lebe noch, ich will nach Haus“!

Ich fühlte Schuld bei dem Transport,

schmerzhaft, doch sie musste fort.

Mag sein, sie dennoch weiter lebt,

bei Fremden ihre Stunden schlägt.

Stromenergie

 

Der Stall ist warm, es dampft der Mist, 
die Kuh genüsslich Grünes frisst.
Zwei Mägen werten ´s gründlich aus, 
Wärme Kraft und Milch wird draus.

Davon ernähren wir uns reich
der Milch, dem Käse, Butter weich. 
Täglich mit unsrer Muskelkraft
wird Futter in den Stall geschafft.

Abfall den die Kuh auch macht, 
wird erneut auf das Feld gebracht.
---Die Zeit ist hart und schwer gewesen, 
die Kraft jetzt Aggregate lösen.

Die Fließbänder und Melkmaschinen
wenig Menschen nur bedienen.
Woher die Steckdose wird gespeist
auf ein großes Werk hinweist.

Wo dessen Abfall einst vergraben
Menschen noch nicht erfunden haben.
Bauern aber wussten noch, 
was früher kam ins Jaucheloch!

 

Biogasanlagen, das Zauberwort, 

machen daraus Strom vor Ort.
Atome schwingen ja in allem
auch hier, doch Kerne die zerfallen, 

sollten weltweit Lösung bringen, 
wir jetzt mit bösen Folgen ringen.
Wer schon vor Jahren zugehört
dessen Instinkt noch nicht zerstört, 

dem war  lange schon gewiss, 
Kernspaltung unbeherrschbar ist.
Wir sollten optimistisch sein, 
es fällt uns schon die Lösung ein.

Bei Änderung wird nichts genommen, 
wir werden Besseres bekommen.
Eines steht noch immer fest, 
Natur sich nicht betrügen lässt.

Es ist alles wohl durchdacht, 
dass wer Fehler an ihr macht, 
bekommt zu spüren die Übermacht.
Sind wir endlich aufgewacht?

Supergau

 

Ohne zu leben unter einem Dach
das Handy  Nähe möglich macht.
Schnell geht die Botschaft hin und her,
man verliert sich nicht und hilft sich sehr,
nur können´s noch nicht implantieren, 
es ständig müssen mit uns führen.

 

Ein Supergau wie im Science Fiction
ins Klo seh´ meins hinunter glitschen.
Aus Reflex greife in das Nass,
eh´s ganz verschwindet, es noch fass´!
Baden gingen alle Daten.
Wer kann  helfen, wer mir raten?!

 

Ein Fossil aus alter Zeit
das Telefon mir nur noch bleibt:
Berlin- Hannover tut, tut, tut,
Papa ist dran, wie tut das  gut!
„Ob ich Mutti sprechen kann?“
„Ja, ich hole sie dir mal ran!“

 

Mir ist zum Weinen, doch sie lacht:
„Wie hast Du das denn nur gemacht?“
„Die neue Jeans sitzt mir so eng,
hab mit Gewalt mich rein gezwängt,
mit einem Ruck zog ich sie runter
und glucks da ging das Handy unter!“

 

Hilfe kommt schnell per Express
für´s erste wieder drin im Netz!!!
Papa  mir eins schnell abgetreten
erst mal erlöst bin von den  Nöten.
       In der Tasche am Popo?!
Bewahr es künftig anderswo?-

Es klappert die Mühle
 

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp, klapp.
Wir schalten jetzt unsre Atomwerke ab, klipp, klapp.
Die Kerne zu spalten hat Böses gebracht,
das war doch ursprünglich ganz anders gedacht,
schalt ab, schalt ab, klipp, klapp.

 

Des Fischer sin Fru wollte immer noch mehr, klipp, klapp.
das Märchen gehörte zu unserer Lehr´, klipp, klapp.
Naturkräfte brechen ganz plötzlich herein,
wir Menschen sind hilflos und wieder ganz klein,
sind schlapp, schalt ab, klipp, klapp.

 

Gefühle, Instinkte, Moral wo seid ihr, klipp, klapp.
Sie sind nur verdrängt, schlummern immer in dir, klipp, klapp.
Und schreien heraus bei dem Elend, dem Leiden,
bist Betroffener musst deine Lieben beweinen, 
mach halt, schalt ab, klipp, klapp.

 

Ich klappre nicht mehr, doch ich könnte noch malen, klipp, klapp.
Hochkonjunktur Wasser und Wind wieder haben, klipp, klapp.
Ihr grillt doch so gerne und esst mit den Freunden,
da seht ihr, vom einfachen Leben wir träumen,
denk nach, Ball flach, klipp, klapp.

 

Dein Wissen setz ein für ein glückliches Leben, klipp, klapp,
der Menschen, die immer in Armut noch leben, klipp, klapp.
die froh wär´n, wenn sie nur mich Windmühle hätten,
und Wasser im Brunnen, sie wären zu retten.
nun ran, fang an, klipp, klapp.

Meiner lieben Kuh 
 

Du bist mir überlegen

brauchst nie ein Wort zu reden,

kannst genüsslich zweimal kauen

mit zwei Mägen still verdauen.


Was Du zu entsorgen hast

fällt ins Stroh mit einem Klatsch.

Als kleines Kind  so viele Male

hab mich versteckt in Deinem Stalle.


Dem Kauen hörte gern ich zu,

nur ab und zu gab´s mal ein Muh.

 Schwälbchen piepsten auch nur leise,

stets wiederkehrten nach der Reise.


Ein leises Klirren von der Kette

durchbrach die warme, stille Stätte.

Die Eltern zwar sie sorgten sich,

ich fürchtete den Bullen nicht!


Natürlich musst Du auch gebären

dein Kälbchen mit der Milch ernähren,

und was dabei noch übrig ist

landet frisch auf unserm Tisch.


Strip, strap, strull, lockt man Dir ab,

was die Natur Dir reichlich gab.

Müsstest um Dein Leben rennen,

dürft der Euter nicht so hängen.


Den haben Andre Dir gemacht,

die nur an unsre Milch gedacht.

Doch Zweifeln nicht das Deine ist,

Du einfach nur zufrieden bist.

Fahrstress

 

Unterm Fuß das Gaspedal, 
heidi, wie bin ich flott!

 

Da kommt schon das erste Schild 
und darauf steht „Stopp“.

 

Weiter geht es stotternd-Mist- 
gar kein Fortkommen mehr ist.

 

Es kribbelt, ärgert „Gottfried Stutz!“
Vorbei des Autofahrers Lust.

 

Geduld, Geduld mit Stop-and-go
den andern geht´s doch ebenso!

 

Erlösung, nun kann´s weiter geh`n-
vor der Ampel wieder steh´n.

 

Schön eingeteilt in kreuz und quer
in hoch und tief und noch viel mehr

 

ist klug erdacht zu aller Wohl,
das Autofahren ist doch toll!

 

Es ist nur gut, sitzt drin allein 
kannst laut fluchen, toben, schrei`n;

 

kannst so deinen Frust befrei´n
kommst weniger gestresst dann heim.

Haute Couture

Schaffensgenuss

 

Kleider gestalten
heißt Stoffe entfalten
mit ihnen zu spielen.
Die Hände, sie fühlen
den seidigen Fluss, 
welch Schaffensgenuss!

 

Wo will man ihn raffen,
wo soll man ihn straffen,
eine Schulter bedecken
zum Schmeicheln und strecken?
Des Schöpfers Ringen
lässt´s schließlich gelingen.

 

Fleißige Hände  vollenden dann
womit die Frau sich schmücken kann.
Fein wird der Stoff zusammen gebracht
wie der Meister es erdacht
mit Faden und Nadel im Atelier,
den gleichen Geräten wie eh und jäh.

Gartenzwerge

 

Gartenzwerge sind doch süß 
mit ihrem fröhlichen Gesicht
mit ihren Zipfelmützen auf dem Kopf 
kennen Wind und Wetter nicht.

 

Sie halten Stand, nicht Launen kennen,
 immer sind sie blitze blank
sind liebevoll dort aufgestellt 
von gärtnerischer Hand.

 

Sie zieren eine kleine Welt 
hinterm Gartenzaun
so mancher schaut und denkt: 
„Hier ist erfüllt ein Traum!“

Der Schöpfer es auch gerne sieht, 
wenn Publikum bleibt  steh´n, 
um seine kleine Microwelt 
der Zwerge an zu seh´n.

 

Ja Kitsch, was heißt das schon
 ihr Narren! 
Wo bleibt das kindliche Gemüt?
Wie glücklich mag der Mensch wohl sein
der Gartenzwerge liebt?!

Wetterwechsel

 

Hier zwischen Meeren unter Polen,
eng sehr viele Menschen wohnen.
Es scheint das Wetter unbeständig,
doch das gerade hält lebendig.

 

Alles was hier wächst, gedeiht,
ob es regnet, donnert, schneit,
der Nahrung dient auf eine Art,
die manches and‘re Land nicht hat.

 

Wo immer nur die Sonne strahlt,
der Mensch nichts mehr zu ernten hat.
Da kann er beten, bitten, fleh´n,
kein Regenwölkchen ist zu seh´n.

 

Hier wird täglich neu gemessen.
Statt zu freuen sich indessen,
bei Sonnenschein wird schon beklagt,
dass ein Tief von Westen naht.

 

Dankbar sollten wir doch sein,
für Regen und den Sonnenschein.
Macht der Kreislauf dann mal Mätzchen,
Du Senior such Dein ruhiges Plätzchen.

 

Ein Vogel fliegt auch nicht bei Regen,
wartet ab den Nahrungs-Segen,
den nennt man „Ruhe nach dem Sturm“.
Nur schade für den Regenwurm!     

Immer die gleiche Leier

 

„Alle schauen nur aufs Handy!“
Was machen die denn da?
Schauen sie in einen Spiegel,
wer fragt sich das denn mal?

 

Sie haben da ein Gegenüber
tauschen Wichtiges oft aus,
dabei nutzen Wartezeiten
bis sie endlich sind zu Haus.

 

Wir kennen auch die Schattenseiten:
Wer Böses will und das missbraucht,
dem kannst Du gerne das entziehen,
der tut es ohne Handy auch.

Was war zuerst

 

So oft ich in hoher Bergwelt bin,

sie beschreibende Liedverse sind mir Sinn.

Immer wieder frage ich dann,

was wohl als erstes gewesen sein kann?

 

Haben die Dichter auch so gesessen,

zwischen den Elementen die Welt vergessen,

festgehalten das Glücksgefühl,

Komponisten verstärkten´s mit Melodie?

 

Oder schaue ich so besonnen hin,

weil die Lieder früh prägten meinen Sinn?

Welchen Schatz haben sie uns gegeben

mit Worten, die jede Strömung überleben!

 

Die Antwort die Natur uns selber gibt,

bis heute sie unverändert blieb,

Felsen am Bach und Vogelsingen,

wie sie in den alten Liedern erklingen.

 

Wo lauter die Motoren brummen,

muss das gesungene Wort verstummen.

Da herrschen Schlagzeug, Drums und Co,

auch sehr schön, doch anders wo.

Das Meer

 

Wie beim Atmen sich hebt und senkt die Brust 
Schnauft das Meer 

 

Greift in den Sand - schlägt an den Fels 
Schwallt hin und her 

                                                     
Niemals ruht 

Mit seinem Impuls versorgt das Leben 
bis tief in den Grund

 

Lasten trägt es in ewiger Geduld 

Nahrung verschenkt es Stunde um Stund´

 

Es streift mich der Sand zwischen den 

Händen 

Belebend und fließt 

 

Bindet mich ein in das Gleichmaß des Lebens 
Das alles umschließt

Morgenkonzert

 

Kosmeen blühen zart von Art

spie´n heute Violine,

die Musiker die Bienen sind

die Saiten zu bedienen.

 

Ein Kuss auf gelben Blumenmund,

die Blüte neigt sich nieder,

da viele Bienen tätig sind,

geschieht es immer wieder.

 

Der ganze Garten singt und klingt,

du kannst es wirklich hören,

die Palme flüstert mit hinein,

sie zittert, will nicht stören.

 

Doch ach, ein Wölkchen trübt das Spiel,

ich sehe nichts mehr schwingen.

Bleib du Farbe, Blütenduft,

will weiter mit euch singen!

 

Die Sonne ist die Starke doch,

das Lied kann neu beginnen,

die Bienen weiter fleißig sind,

bis leiser wird ihr Summen.

 

Es klingt nicht mehr, vom auf und ab

Erschöpft gehen sie zur Ruh.

Kommt wieder bald ihr Emsigen,

ich hör euch wieder zu!

 

Vergnügt

 

Vergnügt zu sein geht das allein?
Wohl besser beim Zusammensein!
Ein Buch kann´s aber auch bereiten,
der Autor schafft´s in seinen Seiten,
trifft für dich den rechten Ton,
alles Ernste fliegt davon.

 

Vergnügt zu sein, leicht und beschwingt,
uns nicht zu jeder Zeit gelingt,
gehört zu überraschenden  Geschenken,
wenn wir am wenigsten dran denken.
Heiterkeit ist Heiterkeit!
Willkommen sehr in unsrer Zeit.

Der Hund mein Freund

 

Gingen wir beide die Wege entlang
freuten wir uns beide,
ich träumte dabei für mich hin
Du ranntest ohne Leine.

 

Warst Du zu weit voraus geeilt
blieb ich ganz einfach steh´n,
Du warfst dann Deinen Kopf zurück
und hast nach mir geseh´n.

 

Die langen Ohren keck im Wind
Dein Mienenspiel viel Ausdruck sind.
Worte, ja die brauchtest nicht
warst Freund der wortlos mit mir spricht.

 

Noch immer, wenn die Wege ich geh`
mit einem Blick nach oben seh´.
ich spreche dann, doch auch nur stumm
doch Du mein Freund schaust Dich nicht um.

Begehren

 

„Sie“ ich auf dem Schulhof schon begehrte,

neidisch blickend mich verzehrte,

wollt mit zwei Händen nach ihr greifen,

um voller Lust hinein zu beißen.

 

Der sie selber ausgewickelt,

fand sie weniger beglückend:

„Ach schon wieder!“, mürrisch kund

tat er ab das pralle Rund.

 

Vom Schlachtfest kannte ich den Schlingel,

etwas blass der kleine Kringel!

Da lag er nun und sagte mir:

„Heute nimm mich mit zu dir!“

 

Zwischen Scheiben ziemlich dünn,

der Belag zur Mitte hin

muss die Stulle wölben, biegen,

die Ränder aber fest anliegen.

 

Die Sehnsucht, die als Kind ich spürte,

zu diesem Happen mich verführte.

Ein Hamburger ist klein mit Hut

gegen solch ein Knappwurstbrot!

Der Magische Augenblick - Das Wunder der Liebe

 

Den Magischen Augenblick, gibt es ihn?

Ahnungslos gehst Du mal hin
wo Menschen sich im Takt bewegen,
Cocktails zum Gespräch anregen.

 

Eroberungen niemals, nein,
willst nur unter Menschen sein.
Gibst Dich zwar reizvoll, machst Dich schön -
es könnt´ ja doch wer nach Dir sehn.

Wenn Du gar nicht mehr erpicht
hat es plötzlich Dich erwischt.
Aller Vorsatz ist dahin
Emotion trübt Deinen Sinn.

 

Ein Mensch – Du schlägst die Augen nieder.
Du fühlst er schaut zu Dir herüber.
Da ist der Magische Moment!
Beide fühlen sich gehemmt.

 

Unsichtbares zieht sie an.
Ob Frau zu Frau, ob Mann zu Mann,
ob Frau zu Mann, so fängt es an,
sich dessen nicht erwehren kann!

 

„Beziehung“ zischt man durch die Zähne.
Dabei gibt´s dies Wort, das schöne:
Liebe heißt das immer noch.
Lasst sie zu und freut Euch doch!

 

Dieser magische Moment
wird uns Menschen so geschenkt.
Liebe alles das schließt ein
was niemals wird zu messen sein.

 

Warum der Mensch gerade der,
es gibt derer so viel mehr?
Eine Antwort gibt es nicht,
weil eben das ein Wunder ist.

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